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Beitband Bispingen

 

Naturpark Lüneburger Heide

Gemeinde Bispingen vernetzt
Bispingen-Touristik
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Wilsede

„Wils“ (niederdeutsch/plattdütsch) 

 

Name 

Der Ortsname soll in seinen Ursprüngen möglicherweise auf „Wollweidenplatz“ oder „Quellplatz“ zurückgehen. Vielleicht aber auch auf den, heute noch in den Niederlanden gebräuchlichen Vornamen „Wils“.

 

Größe

Die Gemarkung umfasst 15,33 km² und hat 46 Einwohner. (Stand 30.06.2012)

 

Lage

Das Heidedorf Wilsede (Betonung auf der ersten Silbe) ist ein Ortsteil der Gemeinde Bispingen im Heidekreis in der Lüneburger Heide. Es kann touristisch nur zu Fuß, per Rad oder mit Kutschen erreicht werden (Kraftfahrzeugverkehr ist im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide nur für Anlieger erlaubt) und liegt im Herzen des ältesten Naturschutzgebietes Deutschlands. Durch Wilsede führt der 223 km Fernwanderweg „Heidschnuckenweg“, der von Hamburg-Fischbeck nach Celle führt.

 

Geschichte

Die erste Nennung datiert aus dem Jahre 1193, als das Dorf Wilsede, als Teil des  Kirchspiels  Bispingen an den Bischof Lüder von Verden verkauft wird. Eine weitere Erwähnung findet sich im Jahr 1287, dort ist es als Besitz des Klosters St. Michaelis beurkundet. Das Dorf wurde im Quellbereich des Heidebaches Schwarze Beeke gegründet, der früher mehr Wasser führte als gegenwärtig. Im Mittelalter bestand Wilsede aus zwei Vollhöfen, im 16. Jahrhundert kamen zwei Höfe von Kötnern hinzu.

 

Von einem der Höfe ist ein grausames Kriegsereignis überliefert. Im Jahre 1638, während des Dreißigjährigen Krieges, wurde, wie so viele Dörfer, auch Wilsede überfallen. Marodierende Soldaten des Großherzogs von Florenz fesselten auf dem Hillmershof den Bauern Carsten Hillmer und verbrannten ihn in einem für das Brotbacken aufgeheizten Backofen.

Die Gutsherrschaft des Klosters St. Michaelis Lüneburg über das Dorf hemmte über Jahrhunderte Wilsedes Entwicklung, weil die Eigner durch neue Höfe eine Schwächung der alten, ihnen abgabenpflichtigen Höfe fürchteten. Die Ablösung von der Gutsherrschaft erfolgte erst zur Zeit der Bauernbefreiung und nach dem Inkrafttreten des Ablösungsgesetzes von 1831 im Königreich Hannover.

 

Der Hof des Bauern Hillmers löste sich 1838 ab, später folgten die anderen drei Höfe Witthöft, Rieckmann und Hillmer. Im Jahre 1857 kam eine fünfte Hofstelle hinzu und 1891 standen 9 Wohnhäuser im Ort. Im Jahr 1750 war eine Schule gebaut worden, die 1882 abbrannte und 1885 erneuert wurde. 1882 entstand auch ein Armenhaus für zwei Familien. Nachdem Pastor Bode 1905 den Kauf des Totengrundes erreicht hatte, wurde 1907 auf Initiative des Lehrers Bernhard Dageförde ein weiteres Haus errichtet. Er ließ das Wohnhaus eines Bauern aus Hanstedt in der Nordheide abbrechen und in Wilsede wieder aufbauen, richtete darin das Heidemuseum „Dat ole Huus“ ein und bestückte es mit zahlreichen heidetypischen Einrichtungsgegenständen.

 

Im Jahr 1909 organisierte Pastor Bode auf einem Grundstück gegenüber dem Heidemuseum den Bau des „Gasthauses zum Heidemuseum“. Wilsede begann seine Entwicklung zum Tourismusort. Ab dem Jahr 1910 begann der Verein Naturschutzpark mit Landkäufen im Dorf und konnte,  im Laufe der Jahre, die meisten Gebäude und Flächen erwerben. 1954 wurde ein Gemeindehaus errichtet. Im Jahr 1964 wurde der „Emhoff“ nach Wilsede umgesetzt. Der im Jahr 1609 errichtete Fachwerkbau stammt ursprünglich aus Emmingen im Landkreis Soltau und dient heute als Konferenzraum und Tagungsstätte.

 

Wilsede ist zwar kein Museumsdorf im engeren Sinne, dennoch sind, durch Denkmalschutzauflagen des VNP hier alle Merkmale eines typischen vorindustriellen Heidedorfes erhalten geblieben, die in anderen Landesteilen verlorengegangen sind. Es ist ein lockeres Haufendorf, das ohne scharfe Grenze in die umliegende Landschaft übergeht. Die Höfe liegen verstreut ohne sichtbare Ordnung über das Dorf verteilt. Sie sind von Bäumen umgeben und durch charakteristische Steinmauern von den Straßen abgegrenzt. Neben den Vollhöfen und Koten gibt es in Wilsede noch einige Treppenspeicher und ein früher gemeinschaftlich genutztes Backhaus. Auch mehrere Schafställe, die bis heute vom Verein Naturschutzpark für die eigenen Heidschnuckenherden genutzt werden, sind noch vorhanden.

 

In Wilsede erlebt der Wanderer die Heide von ihrer schönsten Seite. Während der Heideblüte im Spätsommer, besuchen täglich mehrere tausend Besucher diesen kleinen, romantischen Ort, in dem sonst nur eine überschaubare Zahl von 40 Bewohnern zu Hause ist. Landwirtschaftliche Betriebe gibt es in Wilsede gegenwärtig nicht mehr. Die Einwohner leben vom Tourismus und der Forstwirtschaft.

 

Das Heidemuseum bietet einen Einblick in die Lebens- und Arbeitsverhältnisse eines normalen Heidebauernhofes um 1850. Im benachbarten Ausstellungsschafstall werden wechselnde Sonderausstellungen zur Lüneburger Heide gezeigt. Daneben liegt ein Kräuter, Stauden- und Gemüsegarten. Neben dem Gasthaus zum Heidemuseum existieren in Wilsede noch weitere Gasthäuser und die „Milchhalle“, ein vom Verein Naturschutzpark betriebenes Selbstbedienungsrestaurant und ein Museumsladen.

Am Ortsausgang in Richtung Wilseder Berg baut der Verein Naturschutzpark zur Erläuterung der alten Heidebauernwirtschaft historische Kultursorten an, darunter Buchweizen (Kein Getreide, sondern Knöterich) und hoch wachsende Roggen-Sorten. Das Stroh der bis zu 1,5 m hohen Getreidepflanzen wurde früher anstelle des heutigen Reedgrases zum Dachdecken verwendet.

 

Wilseder Berg

Der Wilseder Berg, nahe Wilsede, ist mit 169,2 m ü. NN die höchste Erhebung in der norddeutschen Tiefebene. Aus diesem Grund hat der berühmte Mathematiker Carl-Friedrich Gauß (1788-1855) auch den Wilseder Berg im Zuge seiner Vermessung des Königreiches Hannover genutzt und hier einen trigonometrischen Messpunkt gesetzt. Zu Zeiten des Kaisers Napoleon war hier eine der Signalstationen, mit deren Hilfe, von Berg zu Berg Nachrichten weitergemeldet wurden.

 

Entstanden ist der Berg während der vorletzten Eiszeit, der Saaleeiszeit; es handelt sich bei der Erhebung um einen Teil einer Endmoräne. An den Rändern ist er vielgestaltig ausgeprägt mit Mulden, Tälern und kleinen Schluchten. Auf dem Gipfelplateau steht ein Gipfelstein, auf dem sich ein Metallkegel befindet. In ihn sind Richtungs- und Entfernungsangaben zu benachbarten Erhebungen sowie zu Städten in näherer und größerer Entfernung eingraviert. Am Wilseder Berg liegt eine Wasserscheide. Einige der in der Heide entspringenden Bäche, leiten zum Flusssystem der Weser, andere zur Elbe ab.

 

Totengrund                                       

Ein landschaftlich idyllisches, aber für den Ackerbau ungeeignetes Trockental mit uralten Wacholderhainen in einer weiten Heidefläche. Der eigenartige Kessel des Totengrundes gehört zur flachwelligen Moränenlandschaft. Durch stetiges Abtauen eines riesigen, mit Sand überlagerten Toteisblockes, der noch lange nach dem Rückgang der Gletschermassen existierte, scheint dieses Tal entstanden zu sein. Aus dem Abschmelzen des Toteisblockes blieb dann der Totengrund übrig. Das mystische Tal mitten im Naturschutzgebiet. Spukt es hier? Nein, was sich so unheimlich anhört, ist in Wirklichkeit eine der schönsten Heideflächen überhaupt. Wenn hier im August die Heide blüht, hat man von den Talrändern einen wunderbaren Blick auf das Blütenmeer.

 

Zur Deutung des Namens Totengrund gibt es einige abenteuerlich Theorien, die einfache Erklärung aber ist: Es war „do` en Grund“ = unfruchtbares Tal. Da im Totengrund, wie im übrigen Heidegebiet übrigens auch, nur wenige Nährstoffe im Boden enthalten waren und es keine Quelle und keinen Bach gab, konnte in diesem Bereich weder Vieh- noch Feldwirtschaft betrieben werden. Der Totengrund wurde früher von den Heidebauern auch "Toter Grund" genannt. Als einzige Pflanzen gediehen hier Wachholder und Heide.

 

Hannibals Grab

Nahe Wilsede liegt eine malerische Gruppe von zufällig angehäuften Findlingssteinen mit knorrigen Wacholdern auf einer Anhöhe. Bei einer Kunst-Ausstellung in den 20er Jahren in Hannover, auf der auch das Gemälde des wirklichen Grabes Hannibals, von Eugen Bracht, zu sehen war, meinten Besucher die Wilseder Findlingsgruppe wiederzuerkennen. Das Grab des karthagischen Feldherrn Hannibal, Bracht hatte es 1893 auf einer Türkeireise gemalt, zeigt eine von zwei Zedern bewachte Steinsetzung und hat in der Tat ein gewisse Ähnlichkeit mit der Findlingsgruppe in der Heide. Aus diesem Grund bürgerte sich schnell der Name "Hannibals Grab“ ein, obwohl dort nie jemand begraben wurde.

 

 

Marietta Hemmerle